29 Jun

Buchtipp: Obsoleszenz interdisziplinär

Forschung bestätigt die Dimensionen der geplanten Obsoleszenz und stellt klare Forderungen zu deren Beendigung.

Geplante Obsoleszenz steht nun auch in der Forschung (wieder) auf der Agenda. Das Arbeitsgebiet ist ja auch besonders interessant und herausfordernd. Vergangenes Jahr fand hierzu eine Tagung an der Hochschule Pforzheim statt. Nun sind die Vorträge als Buch erschienen. Auf meiner Roadshow durch Deutschland habe ich auf meinen Bahnfahrten endlich Zeit gefunden die vielen Beiträge aufmerksam zu lesen.

Hrsg.: Brönneke / Wechsler
Obsoleszenz interdisziplinär
Vorzeitiger Verschleiß aus Sicht von Wissenschaft und Praxis

Auch wenn in einigen Beiträgen fachliche Fehler zu entdecken sind, das Thema trotz Interdisziplinarität in wesentlichen Fragen nicht bearbeitet wurde und die volkswirtschaftlichen Beiträge teilweise am Thema vorbeigehen, bietet das Buch wertvolle Einblicke in die Sichtweisen der forschenden Gemeinde auf dieses für unsere Gesellschaft und Zukunft so wichtige Thema. Leider haben die Autoren nicht die Gelegenheit genutzt, die Diskussionen und Erkenntnisse aus der Tagung in ihren einzelnen Beiträgen zu reflektieren. Insgesamt ist das Buch ein wertvoller und lesenswerter Beitrag zur dringend notwendigen Debatte. Den Preis von 88 EUR halte ich allerdings für überzogen. So wird es nicht jedem zugänglich sein.

Eine ausführliche Buchbesprechung werde ich noch gesondert veröffentlichen. Besonders erfreulich sind die klaren Forderungen zur Bekämpfung der geplanten Obsoleszenz am Ende, die politischen Aufmerksamkeit geniessen sollten. Es wird interessant sein, zu beobachten, ob und wie die Tagungsteilnehmer an deren Umsetzung arbeiten werden.

18 Mai

Praktische Ressourcenschonung konkret

Jeder Rohstoff ist endlich. Ein guter Umgang damit ist notwendig und auch möglich. Langlebige Produkte bevorzugen, mehrfach nutzen und bewusst verbrauchen – das sind Spielräume, die Verbraucher haben. Unternehmen entwickeln Strategien, Material einzusparen, effizienter zu nutzen und Produkte herzustellen, die länger halten und wieder verwertbar sind.

Ressourcenschonendes Denken und Verhalten setzt sich nicht von allein durch. Die diesjährige Fortführung des Pankower Netzwerk-Dialogs möchte Impulse geben. Regionale Beispiele für Ressourcenschutz, die durch Bürger, Wirtschaft und Kommunalpolitik umgesetzt werden, zeigen, wie es geht. Erkennen, erfahren und diskutieren Sie mit!

Wann: Dienstag, 19.05.15 17.00 bis 21.00 Uhr
Wo:
Rathaus Pankow, Breite Straße 24a – 26, 13187 Berlin

[Programm Netzwerkforum Pankow Berlin]

Meine Beiträge auf diesem spannenden Netzwerkforum sind ein Impulsvortrag (20 min.) zum Thema „Gute Produkte leben länger – Wie überwinden wir die verschwenderische geplante Obsoleszenz?“ sowie die Moderation vom „Fachforum 1 Ressourcenschonendes Produzieren“.

02 Mrz

UBA-Studie: Voreilige Zwischenergebnisse

Das Umweltbundesamt veröffentlicht erneut erste Zwischenergebnisse zu der von ihr beauftragten Studie über geplante Obsoleszenz und spricht vom „Faktencheck Obsoleszenz“. Worum geht es bei dieser noch nicht fertigen Studie?

Das übergeordnete Ziel des Vorhabens ist, eine fundierte Datengrundlage zur Beschreibung und Beurteilung der Erscheinung Obsoleszenz bzw. der durchschnittlich erreichten Produktlebens- und Nutzungsdauer zu schaffen und darauf aufbauend handlungssichere Strategien gegen Obsoleszenz zu entwickeln. (UBA)

Ob man solche Veröffentlichungen „Faktencheck Obsoleszenz“ nennen sollte, ist aufgrund der selbst kritisierten schwachen Datenlage fraglich. Insbesondere wurden für die Studie kaum eigene Untersuchungen für die spezifische Fragestellung angestellt. Man legte intern sogar „Zahlen von Reparaturbetrieben“ vor, obwohl man lediglich einen Betrieb befragt hatte.

Notwendige Untersuchungen zu Veränderungen der Produktqualität in den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten wurde trotz fast einjähriger Untersuchungsarbeit bisher nicht angestellt. Man hat bisher nicht Vorkommen, Ursachen und Häufigkeit von geplanter Obsoleszenz untersucht. Alle Aussagen beziehen sich im Wesentlichen auf Untersuchungen zum Konsumverhalten. Dies ist nicht verwunderlich, da man über den Herstellerverband ZVEI überlassene Daten einer vom ZVEI selbst bei der GfK im Jahr 2013 beauftragten Studie untersucht hat. Die Fragestellung dieser Untersuchung ist jedoch nicht geeignet, um Aussagen zu geplant vorzeitigen technischen Ausfallsgründen zu machen. Hat das Umweltbundesamt keine eigenständigen Datenerhebungen beauftragt? Es ging doch um die Schaffung einer Datengrundlage.

Für eine öffentliche Bewertung der Zwischenergebnisse der Studie wird es erforderlich sein, deren Datengrundlagen ebenso öffentlich prüfbar zur Verfügung zu stellen, wie die daraus vollzogenen Interpretationen. So zeigen beispielsweise die von der UNI Bonn intern vorgelegten Untersuchungen, dass Waschmaschinen, die älter als zehn Jahre sind, im Durchschnitt 16,6 Jahre gehalten haben. Waschmaschinen, die zehn Jahre und jünger waren, haben dagegen eine durchschnittliche Lebensdauer von nur 6,6 Jahren.

Aufgrund der veröffentlichten Zwischenaussagen ist dieser Chart aus dem vorgelegten Bericht interessant, da er den hohen Anteil technischer Versagensgründe für einen Neukauf nach unter fünf Jahren bestätigt.

Hauptaustauschgründe Nutzungsdauer unter 5 Jahre

Warum allerdings bereits in dieser Pressemitteilung folgende Aussagen, „Dass neue Geräte kürzer verwendet werden, hat unterschiedlichste Ursachen. Inwieweit ein geplanter Verschleiß dafür verantwortlich ist, klären wir jetzt in der zweiten Hälfte der Studie.“ und „Nach der ersten Halbzeit der Studie lassen sich noch keine Belege für gezielt eingebaute Schwachstellen in Produkten liefern. Eine systematische Analyse für die Ursachen der Geräteausfälle und -defekte erfolgt nun in einem zweiten Teil der Studie.“ gemacht werden, ist seltsam. So will man die Ursachen erst noch analysieren, behauptet jedoch schon heute, es ließen sich keine Belege für geplante Obsoleszenz finden.

16 Okt

Gesetz gegen geplante Obsoleszenz in Frankreich

Künftig soll es in Frankreich möglich werden, Hersteller und Importeure wegen geplanter Obsoleszenz wegen Betrug vor Gericht zu stellen. Das Gesetz definiert die geplante Obsoleszenz entsprechend der von mir eingeführten Definition. (Quelle: Telepolis)

„Gesamtheit von Techniken, durch die derjenige, der das Produkt auf den Markt bringt, bezweckt, namentlich durch die Konzeptionierung des Produkts, die Lebensdauer oder den möglichen Gebrauchswert des Produkts absichtlich zu verkürzen, um den Verkauf von neuen Produkten zu erhöhen. Diese Techniken können insbesondere einschließen: den willentlichen Einbau einer Schadhaftigkeit, einer Sollbruchstelle oder eines programmierten, vorzeitigen Funktionsstopps, einer technischen Begrenzung, einer Verhinderung von Reparaturen oder einer beabsichtigten Nicht-Kompatibilität“

Die Gesetzesinitiative ist ein Teilerfog der nun mehr bald dreijährigen Kampagnenarbeit von MURKS? NEIN DANKE! und ist dabei eventuell ein unvollständiger trügerischer Schritt in die richtige Richtung mit falscher Stoßrichtung. Warum erst den Betrug abwarten und nicht gleich die Tat im Grunde verbieten?

Nachtigall, ick hör dir trapsen: Das Gesetz in Frankreich könnte zur Nebelkerze werden. Es schafft eine vermeintliche rechtliche Klarheit, die jedoch ohne Kläger bleiben wird. Der Konsument bleibt sich selbst überlassen und wird das Kostenrisiko gerichtlicher Prozesse scheuen. Kein Wunder, dass der Lobbyismus der Hersteller hier nicht kraftvoller in die Abwehr geht.

Frankreich geht jedoch entschlossener als unsere Regierung das Problem an. Frankreich schafft Klarheit. Geplante Obsoleszenz findet seinen Weg in die Gesetze, während man in Deutschland noch nach Beweisen für Tatbestände sucht, die von Zeitzeugen bereits bestätigt werden.

In meinem Buch „MURKS? NEIN DANKE! Was wir tun können, damit die Dinge besser“ zeige ich ein differenziertes Therapieprogramm gegen die mittlerweile 216 Varianten der geplanten Obsoleszenz. Geplante Obsoleszenz schadet allen und muss auf allen Ebenen bekämpft werden.

20 Aug

Geplante Obsoleszenz – die Spielregeln ändern sich

In ihrem aktuellen Artikel „Geplante Obsoleszenz zwischen Wunsch und Ärgernis“ hat Renate Hübner (Assistenzprofessorin am Institut für Interventionsforschung und Kulturelle Nachhaltigkeit an der der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt) die geplante Obsoleszenz mit der Metapher eines Spiels betrachtet. Dabei arbeitet sie heraus, dass „Spielverderber“ das schädliche Spiel der geplanten Obsoleszenz beenden können.

Menschen, die sich dem Kauf- bzw. Konsumzwang generell entziehen, also nicht mitspielen, sind solche Spielverderber im positiven Sinne. Ebenso können Skeptiker, die Verdachte mit Beispielen belegen, ebenso das Spiel der geplanten Obsoleszenz stören. MURKS? NEIN DANKE! trägt dabei ihrer Bewertung nach dazu bei, durch offensives Informieren und Bewerten von Produkten und Herstellern die Gruppe der Skeptiker zu vergrößern und deren Argumente zu fundieren. Mit weiteren Vorschlägen beschreibt Hübner zusätzliche Spielverderberstrategien, mit denen das ressourcenvernichtende Spiel beendet werden kann. In diesem Sinne bin ich gerne Spielverderber, wobei ich das darüber liegende Spiel der werdenden Kreislaufgesellschaft ebenso gerne befördere. Den Artikel von Renate Hübner stelle ich zum Download zur Verfügung.