Disposables – Kennzeichnungspflicht für Transparenz und Folgekosten erforderlich

Es ärgert uns Kunden täglich aufs Neue. Wir kaufen ein Produkt, dass zu seiner Nutzung auf den nachträglichen Austausch verbrauchter oder verschlissener Teilkomponenten angewiesen ist, die dann nahezu so teuer wie das Hauptprodukt selbst sind. Der Klassiker: Tintenpatronen beim Tintenstrahldrucker oder Rasierklingen bei Handrasierern.

Im Herstellprozess werden solche Teilkomponenten „disposables“ genannt. Disposables sind Hilfsgüter und Elemente eines Produkts, die einem Verschleiß unterliegen und daher regelmäßig ausgetauscht (engl. „to dispose“) werden müssen. Produktentwickler berichten davon, dass immer häufiger entsprechende Anforderungen an die Entwicklung neuer Konsumgüter gestellt werden, dieses konstruktive Prinzip in der Produktentwicklung grundsätzlich mitzubeachten. Das Interesse ist deutlich. Gelingt es den Kunden an das Hauptprodukt zu binden und gleichzeitig den Wettbewerb oder Drittlieferanten daran zu hindern, in den After-Sales-Markt für diese Disposables einzusteigen, so lässt sich ein hochattraktives Geschäft in Form eines Quasi-Monopol zu Lasten von Umwelt und Gesellschaft aufbauen. Begegnen tut uns dieses Vorgehen in immer mehr Konsumgüterbereichen.

Typische Beispiele für Disposables sind

  • Toner und Tintenpatronen in Druckern
  • Kohlendioxidpatronen in Wasseraufbereitern
  • Nachfüllpacks für Raumsprays
  • Abgepackte Kaffeeaufbrühsets
  • Aufsteckbürsten für elektrische Zahnbürsten
  • Akkumulatoren für Multimediaprodukte
  • Scherköpfe für Rasierapparate
  • Rasierklingen für Handrasierer

(Weitere Hinweise bitte über die Kommentarfunktion mitteilen.)

Grundsätzlich ist das Prinzip der leicht tauschbaren Verschleißkomponenten nachvollziehbar. Nicht alles kann an einem Produkt gleich lang haltbar sein. Modularität ist auch aus nachhaltiger Sicht sinnvoll. Mindestanforderungen an solche Disposables müssen sein

  • Möglichst hohe Haltbarkeit
  • Kostengünstige Modularität durch maximale Reduzierung der Austauschbarkeit auf die Verschleiß- oder Verbrauchskomponente (z.B. Nachfüllbarkeit der Tinte, Ersatz des Scherblattes)
  • Leichter Austausch für den Kunden selbst
  • transparente Märkte und freier Wettbewerb
  • geringer Verpackungsanteil bei Nachkauf
  • Schadstofffreie und umweltschonende Wiederverwertbarkeit in Stoffkreisläufen

Für eine nachhaltige Konsumentscheidung brauchen Kunden transparenz und Aufklärung hinsichtlich der mit der Kaufentscheidung verbundenen Folgenkosten und -lasten. Selbst führende Testanbieter berücksichtigen dies nicht oder liefern dazu keine Angaben. Damit bereits beim Kauf eines Hauptproduktes mit Disposables für den Kunden die Folgekosten und -lasten durch enthaltene Disposables erkennbar sind, müssen daher entsprechende Kennzeichnungspflichten eingeführt werden. Diese müssen im Kern mindestens Auskunft geben über

  • Hinweis auf Disposables
  • Hinweis auf Herstellerneutralität
  • Durchschnittlicher Preis bei Nachkauf laut Herstellerempfehlung
  • Durchschnittliche Austauschhäufigkeit laut Produktentwicklung
  • Hausmülleignung, Wiederverwertbarkeit

Hinsichtlich der gegenwärtigen Umwelt- und Kostenlasten für die Gesellschaft und Umwelt sind gesonderte Forschungsarbeiten sinnvoll. Normierungen für Disposables fehlen und müssen entwickelt werden.

Leave a Reply