Manche verharren in Mythen

In der aktuellen Zeitschrift „Der Konstrukteur“ wiederholt Herr Prof. Albert Albers vom Karlsruher Intitut für Produktentwicklung seine unbewegliche Meinung, geplante Obsoleszenz sei ein Mythos (so bereits 2012). So lautet der Titel seines knappen Kommentars zur nun bereits seit vier Jahren laufenden Debatte um die immensen Schadfolgen der geplanten Obsoleszenz. Nach wie vor reicht ihm der Bohrer als Lehrbeispiel für seine Thesen. Fachlich begründen kann er seinen Widerspruch bis heute nicht. Herr Prof. Albers hat sich anscheinend bis heute noch nicht ernsthaft mit dem Thema der geplanten Obsoleszenz befasst.

Das ein Professor mit Reputation und akademischer Verantwortung im Bereich der Produktentwicklung lediglich die ihm genehmen Quellen zitiert, jedoch jede zu diesen Quellen veröffentlichte Kritik (Zur StiWa, zur UBA-Studie) unerwähnt lässt, die Geschichte der geplanten Obsoleszenz nicht beachtet, mittlerweile veröffentlichten Fach-Publikationen, jedwedes Regierungshandeln und die umfassenden Entscheidungen der EU-Kommission zu Vorkommen und Schadfolgen der geplanten Obsoleszenz missachtet, offenbart eine fachliche Ignoranz, die von dieser Seite weiterhin keine zielführende Beiträge zur Reduzierung der geplanten Obsoleszenz erwarten lässt. Doch gerade das von ihm geführte Karlsruher Institut für Produktentwicklung hätte dazu in den vergangenen Jahren eine kompetente Position erarbeiten sollen.

Herr Prof. Albers meint, dass Unternehmen das produzieren, was am Markt nachgefragt wird und bestätigt sogleich, dass diese Nachfrage seitens der Unternehmen stimuliert und gesteuert wird. Wir erleben hier die inneren Widersprüchliche eines Akademikers, der die harte Realität eines nur von ökonomischen Interessen getriebenen globalen Wettbewerbs verlassen hat. Bereits in meiner zweistündigen Diskussion mit Herrn Albers 2013 in der Sendung „Radiofeuilleton“ bei Deutschlandradio Kultur kann man diese irritierende Grundhaltung erleben (zum Nachhören Teil 1, Teil 2).

Die vom Hersteller in der Produktentwicklung zugrundegelegte Gebrauchsdauer muss für die kaufende Gesellschaft und jeden Kunden transparent werden. Dies ist eine wesentliche Produktinformation. Eine entsprechende Kennzeichnungspflicht ist dringend geboten. Wenn Herr Prof. Albers hier noch notwendigen Forschungsbedarf im Hinblick auf geeignete produkt- und zielgruppenspezifische Kennzeichnungen behauptet, so kann hierin nur der Versuch vermutet werden, den Unternehmen Zeit einzuräumen, um ökonomische Interessen zu schützen. Es ist gerade die immer wieder von Herrn Prof. Albers bestätigete „geplante Gebrauchsdauer“, die ohne jeden Forschungsbedarf als Kennziffer für eine Kennzeichnungspflicht zugrunde gelegt werden kann. Deren wahrheitsgemäße und deutliche Kennzeichnung auf der Verpackung und in der Werbung kann unternehmensintern durch externe Prüfinstitute zertifiziert und bestätigt werden. So wird ein Wettbewerb um Haltbarkeit für den Kunden, die kaufende Gesellschaft, transparent und auch für Marktbeobachter nachvollziehbar.

Nur mal kurz zum Bohrer: Ein zu breites Sortiment für nicht reale Konsummuster ist pure Verschwendung. Wir brauchen keine überflüssige Vielfalt an billigen Bohrern neben mittleren und teuren Varianten derselben im Heimwerkermarkt. Wir brauchen auch keine Akku-Bohrer, deren Akkus im Nachkauf so viel kosten, wie ein neuer Bohrer und mit Akkus ausgestattet sind, deren Ladezyklen nicht ausgewiesen werden oder selbst immer noch oft aus Nickel-Cadmium-Akkus bestehen. Bohrer können für geringe Mehrkosten, nahezu kostenneutral mit dreifacher Haltbarkeit ausgestattet werden, indem die Verschleißteile mit höherer Haltbarkeit und Austauschbarkeit für den Kunden ausgelegt werden. Akkus müssen stets für den Kunden in der Nutzung austauschbar sein. Es wird Zeit, dass Hersteller  tatsächliche Kundenanforderungen beachten und der Handel seine Sortimente aufräumt und für die Interessen der kaufenden Kundenschaft eintritt.

MURKS? NEIN DANKE!

 

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