[MURKS] Wissenschaftler bestätigt geplante Obsoleszenz und liefert Neusprech

Geplante Obsoleszenz ist die Festlegung der Gebrauchsdauer durch den Hersteller. Dies bestätigt Albert Albers, Leiter des IPEK – Institut für Produktentwicklung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gestern gegenüber N-TV. Doch statt es „geplante Obsoleszenz“, also die geplante Festlegung vom Ende der Nutzungszeit, zu nennen, bevorzugt er die Wortwahl „geplante Gebrauchsdauer“. „Richtig ist hingegen, dass wir die Produkte auf eine geplante Gebrauchsdauer hin auslegen. Das ist sinnvoll und hat nichts mit dem unnötigen Ausfall eines Produkts vor Ablauf seiner Gesamtlebensdauer zu tun.“ Doch geplante Dauer oder geplantes Ende laufen meines Erachtens auf dasselbe hinaus. „Geplante Gebrauchsdauer“ ist Neusprech für geplante Obsoleszenz“. Solche Euphemismen werden gerne werden im öffentlichen Bereich hauptsächlich in der Politik und in der Wirtschaft angewendet., um von den eigentlichen Interessen abzulenken. Sie dienen der Verhüllung, Tarnung, Vertuschung, Milderung, Schonung und Aufwertung (Wikipedia).

Albers widerspricht der Behauptung, dass geplante Obsoleszenz Gegenstand der Ausbildung junger Produktentwickler sei (siehe dazu: Lehrbeauftragte an der TU Berlin vermitteln “geplante Obsoleszenz”). „Richtig ist hingegen, dass wir die Produkte auf eine geplante Gebrauchsdauer hin auslegen. Das ist sinnvoll und hat nichts mit dem unnötigen Ausfall eines Produkts vor Ablauf seiner Gesamtlebensdauer zu tun.“ so Albers gegenüber N-TV.

Doch damit bestätigt Herr Albers letztlich, dass die Festlegung der Nutzungsdauer Teil der Ausbildung qualifizierter Ingenieure ist. Er macht dies sogar zu einer besonderen Anforderung. Am Beispiel der Fahrzeugindustrie erläutert Herr Albers die Erwartungen der Industrie an Produktentwickler. Ein richtig guter Ingenieur soll demnach das Produkt so entwickeln, dass mit Erreichen der vom Hersteller festgelegten Gebrauchsdauer sämtliche Teilsysteme eines Produktes ihr Lebensende erreicht haben. Herr Albers nennt dies „sinnvoll“. Gut wäre noch zu sagen „für wen“.

Ingenieure sollen also tatsächlich Produkte so planen, dass sie zu einem definierten Zeitpunkt ihr Lebensende erreichen. Dies halte ich für eine wirklich klare Bestätigung für geplante Obsoleszenz aus berufenem Munde.

Kennzeichnungspflicht für geplante Gebrauchsdauer gefordert

Daraus folgt zwingend, dass es eine Kennzeichnungspflicht am Produkt und bei allen produktbezogenen werblichen Maßnahmen für diese vom Hersteller bei der Produktentwicklung festgelegte Gebrauchsdauer geben muss. So wäre dies für mögliche Kunden transparent und ein Wettbewerb der Gebrauchsdauern wird möglich. Eine solche Kennzeichnung erfolgt jedoch nicht. Hersteller verschleiern wesentliche Produkteigenschaften und verhindern so Wettbewerb. Heute habe ich dazu eine entsprechende Beschwerde an die Wettbewerbszentrale gesandt und die Abgeordneten des Bundestages um Stellungnahme gebeten.

Comments: 3

  1. Matthias says:

    Hallo Stefan,

    ich bin teilweise andere Meinung. Ich bin selber Ing. und natürlich wird bei der Produktentwicklung überlegt wie lange ein Bauteil hält, alles andere wäre doch fahrlässiger Quatsch und natürlich kann man die Haltbarkeit eines Bauteils auch auslegen. Nehmen wir z.b. einen Reifen, da kann man die km Leistung natürlich gut auslegen oder auch eine Kupplung, da kann man die Anzahl der Kupplungsvorgänge auslegen oder ein Radlager. Gerade Lager kann man schon im Katalog kaufen mit der exakten Lebenslauder (in gewissen Grenzen natürlich immer noch).

    Und es ist natürlich sinnvoll um bei einem PKW zu bleiben wenn man sagt, man legt ein PKW auf 150.000 km oder wg. mit auch 200.000 km aus, dass man keine Radlager verbaut die 500.000 km halten, das wäre ja raus geworfenes Geld.

    Und natürlich ist die Auslegung dann so zu machen, dass alle Bauteile nach der geplanten Lebensdauer gleichzeitig versagen, das ist der günstigste Fall, letztlich aber für beide Seiten Verbraucher und Hersteller. Bauteile die nicht die Lebensdauer erreichen, sollten so ausgelegt sein, dass man z.b. 3 Kupplungen braucht in der Lebensdauer, 5 Satz Reifen oder 2 Glübirnen, was auch immer.

    Geplante Obsoleszenz ist in meinen Augen etwas was völlig anderen Kriterien folgt. Keine Reparaturmöglichkeit z.b. weil man an die Bauteile garnicht dran kommt oder keine Ersatzteile mehr bekommt oder Baugruppen nicht zerlegen kann. Dann ganz wichtig, dass ein Bauteil versagt, damit das Gerät mangels Ersatzteile oder Reparierbarkeit defekt ist, obwohl 95% des Gerätes eigentlich noch brauchbar sind. Dass nur damit sich jemand was neues kauft. Hier ist das Gerät also gerade nicht sinnvoll ingenieurmässig ausgelegt, sondern ein Teil allein auf Defekt gedrillt.

    Wo ich dir dann wieder folge ist, dass die Lebensdauerauslegung natürlich ein Wert wäre mit dem der Verbraucher was anfangen könnte. Indirekt kann man aber da auch schon was erkennen, vielleicht nicht bei Handys aber für andere Produkte gibt es ja durchaus Garantieverlängerungen. auf Fahrradrahmen gibt es z.b. ds öfteren von Markenherstellen 10 Jahre Garantie oder ähnliches, dann muss man aber auch sowas kaufen oder darauf achten.

    MfG
    Matthias

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