Stiftung Warentest traut sich nicht

Die Stiftung Warentest (StiWa) hat sich mit dem aktuellen Artikel zur geplanten Obsoleszenz keinen guten Dienst erwiesen. Wider offenkundigen Wissens stellt sie sich an die Seite Hersteller und bezweifelt die Methoden der geplanten Obsoleszenz in Frage.
Sie liefert dann jedoch selbst im Artikel einige sehr gute Beispiele für geplante Obsoleszenz, titelt vorne „Wie Hersteller die Lebensdauer von Geräten verkürzen“, spricht von den „Tricks der Hersteller“, um dann selbst nicht den Mut zu haben, das Kind beim Namen zu nennen. Nahezu alle im eigenen Artikel beschriebenen Beispiele belegen zum Teil drastisch die geplante Obsoleszenzstrategien der Hersteller, wie wir sie auch in unserer Studie beschrieben haben. In den 1980ern war die StiWa mutiger. Fragt sich, wer sie heute so zahnlos macht?
Dann jedoch nicht deutlich offenzulegen, dass die eigenen Testverfahren natürlich nichts zu den moralischen Absichten im Management der Hersteller sagen können, halte ich für unseriös, da sich die Leserschaft auf die Wertungen der StiWa verlässt. Natürlich kann die StiWa nichts zu „Absichten“ sagen. Sie untersucht nur Produkte, nicht die menschen dahinter. Der wirksame Nachweis von arglistiger Obsoleszenz wäre ja auch eine Aufgabe der Gerichte.
Ob die Testverfahren der StiWa tatsächlich etwas zur Langlebigkeit sagen können, ist ebenso zu hinterfragen, da diese durch Zeitrafferuntersuchungen die tatsächlichen Nutzungen nicht angemessen simulieren. Der Beobachtungszeitraum von zehn Jahren ist im Artikel zu kurz gegriffen, da es nicht nur bei Haushaltsgroßgeräten bereits in den 199oern zu Umsetzung von Obsoleszenzsztrategien gekommen ist. Was der im Artikel benannte Zeitraum deutlich macht ist, dass die aufgezeigten Strategien bereits seit zehn Jahren zur Anwendung kommen.

Im Artikel der Stiftung Warentest bestätigt Prof. Albers wieder einmal die planerische Kompetenz der Produktentwickler, Produktbauteile zeitlich in ihrer Haltbarkeit zu planen, ohne das dabei von den Autoren hinterfragt wird, warum die in ihrem Artikel aufgeführten Produktbeispiele mit lebensdauerverkürzenden Schwachstellen nicht das Ergebnis gewollter Produktentwicklung sein sollen? wenn zum Beispiel bei 80 % der untersuchten Staubsaugern stets die Kohlebürsten (ein Subcent-Bauteil) kaputtgehen, fällt dabei nicht als geplante Obsoleszenz auf. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass Kohlebürsten preislich im Subcent-Bereich liegen und die deutlich haltbareren kaum mehr kosten. Dies dann im Artikel nicht klar auszusprechen, ist besonders auffällig.

Das dann „Produktreinfälle“ (siehe Seite 61) trotzdem von der StiWa zum Testsieger gekürt werden, wird im Artikel zwar beschämt zugegeben. Eine Einsicht in notwendige Anpassungen ist jedoch nicht erkennbar. Hier muß deutlich nachgebessert werden, will die Stiftung Warentest ihre Glaubwürdigkeit nicht verlieren.

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