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Vom 09.-11. September 2013 findet das 10. BMBF-Forum für Nachhaltigkeit (kurz FONA-Forum) im KUBUS des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig statt. Im Fokus der Konferenz stehen die Umsetzung aktueller Ergebnisse der Nachhaltigkeitsforschung, die Stärkung der Zusammenarbeit der Forschergemeinschaft sowie die Diskussion über zukünftige Forschungsprioritäten.

Im Mittelpunkt des dritten Tages steht die Entwicklung der thematischen Schwerpunkte für das dritte FONA-Rahmenprogramm, das 2015 starten soll. Gemeinsam mit Experten aus Unternehmen, Kommunen und NGOs werden in sechs Sessions entlang von Querschnittsthemen wie zukünftige zentrale Forschungsthemen diskutiert und konkretisiert.

Ich werde an der Green Economy Werkstatt mit einem Beitrag zum Thema geplante Obsoleszenz teilnehmen und im Expertenworkshop mitwirken.

In der Neuen Zürcher Zeitung finde ich einen Artikel “Moderne Märchen der Konsumkritik“, der sich mit dem Thema der geplanten Obsoleszenz auseinandersetzt. Dort findet sich am Schluß das folgende Zitat:

«Die Lebensdauer wird nicht begrenzt, um den Kunden zu ärgern, sondern im Gegenteil, um sein Nutzerprofil möglichst genau abzubilden», sagt Sven Matthiesen, Professor am Karlsruher Institut für Technologie. «Im Idealfall sollten alle Bauteile eines Geräts gleichzeitig am Ende der vermuteten Gebrauchsdauer kaputtgehen. Dann hat der Käufer genau die Leistung bezahlt, die er auch genutzt hat», sagt er.

Zunächst bestätigt Herr Professor Matthiessen hier, dass die Lebensdauer begrenzt wird. Jedoch nicht um den Kunden zu ärgern? Nun frage ich mich, was ist da eigentlich los, wenn sogar Professoren meinen, mit solchen offensichtlichen Stellungnahmen “geplante Obsoleszenz” widerlegen zu können?

TRIZ bedeutet: „Theorie des erfinderischen Problemlösens“ oder „Theorie zur Lösung erfinderischer Probleme“ und steht für eine verbreitete Methode, die in der Mitte der 1950er Jahre entwickelt wurde (Wikipedia). Die TRIZ enthält eine Reihe von methodischen Werkzeugen, die es erleichtern, ein gegebenes technisches Problem besser zu analysieren, und die es ermöglichen, kreative Lösungen zu finden. Dazu gehören insbesondere die 40 Prinzipien oder auch “40 Regeln der Innovation”.

Interessant ist hier die 27te Regel: Billige Kurzlebigkeit anstelle teurer Langlebigkeit, die einen weiteren Hinweis auf an Kurzlebigkeit orientierte Ansätze in der Produktentwicklung gibt.

In Deutschland liegt der Anwendungsschwerpunkt von TRIZ noch eindeutig im technischen Bereich. Nahezu alle Automobilfirmen, Unternehmen aus Medizintechnik, Elektronik und Elektrotechnik sowie zunehmend Zulieferer und Systemlieferanten setzen TRIZ erfolgreich ein. Weitere Anwendungsschwerpunkte entwickeln sich im Bereich der Prozessverbesserung sowie im Dienstleistungs-, Software- und Management- Bereich.

Konzerne, die TRIZ in ihren Entwicklungsprozess fest integriert haben, sind z.B. Procter&Gamble, Intel, Motorola und Samsung Electronics. [Quelle]

Morgen habe ich die Gelegenheit mit dem Entwicklungsingenieur der Siemens Electrogeräte GmbH über die Produktentwicklung von Waschmaschinen zu sprechen. Mein interner Expertenkreis hat mich mit mehr als zwanzig kritischen Fachfragen ausgestattet. So werden wir uns bspw. darüber unterhalten, warum neuerdings statt dem haltbaren Edelstahlbottich ein Laugenbehälter aus Kunststoff verbaut wird. Ebenso werden wir uns über Heizung, Laugenpumpen, Kohlebürsten, Reparaturfreundlichkeit und Langlebigkeit unterhalten. Über die Ergebnisse und Antworten aus dem Gespräch werde ich berichten.

Geplante Obsoleszenz ist die Festlegung der Gebrauchsdauer durch den Hersteller. Dies bestätigt Albert Albers, Leiter des IPEK – Institut für Produktentwicklung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gestern gegenüber N-TV. Doch statt es “geplante Obsoleszenz”, also die geplante Festlegung vom Ende der Nutzungszeit, zu nennen, bevorzugt er die Wortwahl “geplante Gebrauchsdauer”. “Richtig ist hingegen, dass wir die Produkte auf eine geplante Gebrauchsdauer hin auslegen. Das ist sinnvoll und hat nichts mit dem unnötigen Ausfall eines Produkts vor Ablauf seiner Gesamtlebensdauer zu tun.” Doch geplante Dauer oder geplantes Ende laufen meines Erachtens auf dasselbe hinaus. “Geplante Gebrauchsdauer” ist Neusprech für geplante Obsoleszenz”. Solche Euphemismen werden gerne werden im öffentlichen Bereich hauptsächlich in der Politik und in der Wirtschaft angewendet., um von den eigentlichen Interessen abzulenken. Sie dienen der Verhüllung, Tarnung, Vertuschung, Milderung, Schonung und Aufwertung (Wikipedia).

Albers widerspricht der Behauptung, dass geplante Obsoleszenz Gegenstand der Ausbildung junger Produktentwickler sei (siehe dazu: Lehrbeauftragte an der TU Berlin vermitteln “geplante Obsoleszenz”). “Richtig ist hingegen, dass wir die Produkte auf eine geplante Gebrauchsdauer hin auslegen. Das ist sinnvoll und hat nichts mit dem unnötigen Ausfall eines Produkts vor Ablauf seiner Gesamtlebensdauer zu tun.” so Albers gegenüber N-TV.

Doch damit bestätigt Herr Albers letztlich, dass die Festlegung der Nutzungsdauer Teil der Ausbildung qualifizierter Ingenieure ist. Er macht dies sogar zu einer besonderen Anforderung. Am Beispiel der Fahrzeugindustrie erläutert Herr Albers die Erwartungen der Industrie an Produktentwickler. Ein richtig guter Ingenieur soll demnach das Produkt so entwickeln, dass mit Erreichen der vom Hersteller festgelegten Gebrauchsdauer sämtliche Teilsysteme eines Produktes ihr Lebensende erreicht haben. Herr Albers nennt dies “sinnvoll”. Gut wäre noch zu sagen “für wen”.

Ingenieure sollen also tatsächlich Produkte so planen, dass sie zu einem definierten Zeitpunkt ihr Lebensende erreichen. Dies halte ich für eine wirklich klare Bestätigung für geplante Obsoleszenz aus berufenem Munde.

Kennzeichnungspflicht für geplante Gebrauchsdauer gefordert

Daraus folgt zwingend, dass es eine Kennzeichnungspflicht am Produkt und bei allen produktbezogenen werblichen Maßnahmen für diese vom Hersteller bei der Produktentwicklung festgelegte Gebrauchsdauer geben muss. So wäre dies für mögliche Kunden transparent und ein Wettbewerb der Gebrauchsdauern wird möglich. Eine solche Kennzeichnung erfolgt jedoch nicht. Hersteller verschleiern wesentliche Produkteigenschaften und verhindern so Wettbewerb. Heute habe ich dazu eine entsprechende Beschwerde an die Wettbewerbszentrale gesandt und die Abgeordneten des Bundestages um Stellungnahme gebeten.